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Blog 11 von Sierra Leone nach Liberia
in der Monsunzeit durch den Urwald entlang der Westküste es geht durch Afrikas schlamm und Matsch Pisten

Zwei Wochen Freetown.

 

Ja das war wie in einer Seifenoper; besser als Gute Zeiten Schlechte Zeiten und Lindenstraße zusammen, was für ein Schauspiel auf dem Polizeirevier stattgefunden hat.
Ein verträumtes Polizeirevier direkt am Stand. Eine Bretterbude, keine 20 Quadratmeter, total runtergekommen, im Schatten eines großen Baums.

Die zwei Girls die meine Kamera klauten in Handschellen ans Fenster gekettet.

Jeder schreit laut rum, kaum ein Wort zu verstehen. Aber davon taucht die Kamera auch nicht auf. Nur die Polizisten wollen Cash: Dollars für ihre Arbeit um die weitere Suche nach meinem Fotoapparat voranzutreiben. Irgendjemand behauptet für tausend US Dollar organisiere er mir meine Kamera.

Klar, ich gebe ihm mal so das Jahresgehalt eines Polizisten, dann sind er, Kamera und Geld weg.

Nach zweieinhalb Tagen lassen die Polizisten die Mädels laufen. Die zwei rennen zur nächsten Polizeiwache und beschuldigen meinen Freund Campell nun wegen sexueller Belästigung.

Jetzt sitzt der Arme einen ganzen Tag im Revier und wird gezwungen irgendwelche Dokumente zu unterzeichnen. Zweihundert US Dollar um nicht eingesperrt die Nacht auf der Wache zu verbringen. Alles ein abgekartetes Spiel: Polizisten und die Mädels stecken unter einer Decke.
Sierra Leone ist das Land Nummer Eins was Korruption betrifft, aber in den nächsten Ländern werde ich wohl noch so einiges erleben.

So „kleine“ Korruptionen am weißen Mann werden gar nicht als Korruption sondern als kleine Spende angesehen.
Zu dem ganzen Trara entzündet sich ein kleine Wunde an meinem Schienbein, lässt es doppelt so dick anschwellen.

Wieder das gleiche Spiel. In Arztpraxen kleine Spenden von 50 – 60 US Dollar sind normal. Ärzte, bei denen ich mich frage wo die studiert haben. Mein Bein wird nicht besser, Maria schleift mich in ein öffentliches Krankenhaus das von Italienischen Ärzten betrieben wird.

Erst will man mich gar nicht aufnehmen, mein Fall sei noch kein Emergency, bis ein Arzt zufällig vorbeischaut und sehr wohl einen Notfall daraus macht.

Selbst Afrikanische Krankenschwestern handeln erst wenn Fleisch lila rosa anläuft oder bei einer Blutvergiftung.

Marco, der Italienische Arzt erzählt mir dass die Leute meist zu spät kommen, dann wenn das Bein der Arm amputiert werden muss.

Ein kleiner Eingriff: ein Erdnuss großer Eiterball wird aus dem Knie gepuhlt und durchgespült.

Jetzt schreien die gleichen Schwestern rum die mich erst nicht behandeln wollten. Geld vom weißen Mann verlangen; wieder setzt sich Marco für mich ein. Nein, keine Gebühren. Die Versorgung hier ist kostenlos, gleiches Recht für jeden Patienten an diesem Ort.

Es dauert noch eine gute Woche bis mein Bein abgeschwollen und weitere Tage bis es verheilt ist.

Viel Zeit die ich bei Martin im Haus und der Umgebung verbringe. Mit Maria die ein Schulprojekt leitet und mit Sabrina die einen kleinen Laden für deutsche Produkte kürzlich aufgemacht hat, verbringe ich einige Zeit.

Oft sitzen wir vor dem Laden futtern Popcorn mit einer Fanta in der Hand und spielen die Afrikanische Version von Mensch Ärger Dich Nicht.
Ja, man hat einfach viel, viel Zeit, und um die Zeit totzuschlagen hat man die Regel einfach nochmal verschärft und ein Spiel kann gerne zwei Stunden dauern.

Mit Maria besuche ich ihre Schule etwas außerhalb, sie erzählt mir von Voodoo Veranstaltungen im Dorf die behaupten ihre Schule verberge Böses. Gemeinsam fahren wir ins Stadtzentrum Free Towns, in Gummistiefeln zum Staranwalt weil der Monsun selbst die paar wenigen Teerstraßen knöcheltief überflutet.

Auf dem Schwarzmarkt jage ich nach meiner Kamera. Nichts, nicht eine einzige digitale Spiegelreflex Kamera.

Weiter Tage verbringe ich mit Campell, einem Neuseeländer der schon vor fünf Jahren mit seinem Motorrad strandete. Die letzten Jahre arbeitet er als Mienenexperte in verschiedenen afrikanischen Ländern.

Ja, manche haben denn drang zum Nervenkitzel. Nicht jedermanns Geschäft, Minen und ungezündete Raketen aufzuspüren um sie dann irgendwo in der Wüste zu zünden.

Jetzt schraubt er wieder an seiner Maschine und denkt an eine Weiterreise mit dem Motorrad.

Mein Freund Martin liebt es zu Kochen. Abends tauchen immer wieder lustige Freunde von ihm auf und es finden Kochkreationen statt. Martins Lieblingswerkzeug ist sein riesiger Wok, gut gefüllt folgt oft ein Videoabend. Ja so kann man wenigsten etwas den Schmerz vergessen, vor allem wen man dann noch eine Flasche Becks in die Hand gedrückt bekommt.

Inzwischen habe ich email von Jean Baptiste erhalten. JB, den ich vor gut einem Monat in Dakar traf, ist auf dem Weg nach Freetown und ich beschließe hier auf ihn zu warten.

Damit das Haus von Martin nicht zu voll wird überlässt Martin uns, JB und mir, seine Strandhütte, keine zehn Kilometer weiter.

Echtes Bacardi Feeling, sauberster Strand und das Meer 20 Meter von uns weg. JB und ich verbringen hier drei Tage, schmeißen unsere Pläne und Ideen zusammen ehe es nun zu zweit weitergeht.

Ja und kurz bevor ich Freetown verlasse finde ich auf dem Schwarzmarkt doch noch einen vernünftigen Ersatz für meine geklaute Kamera. Das Teil wurde garantiert auch geklaut aber besser als nichts.

Nach über zwei Wochen Pause geht es endlich weiter.

Was ein Glück, die Monsunregen die wir die letzten Tage hatten sind vorm Tag unseres Starts wie weggeblasen. Das erste Stück ist gleich ein erster Test für das was uns bald erwartet, große Schlammlöcher, eine Lehmpiste um die Halbinsel Freetowns. Links der Regenwald, rechts entlang der Küste immer wieder Traumstrände.

Leckere Erdnußkekse, und hunderte von Ananas. Ja, aber weiter im Hinterland werden wir wohl wieder nur Kasaba - Reis mit einer Fischsoße bekommen.

Keine dreißig Kilometer Lehmpiste und es geht gut asphaltiert weiter. Drei Tage auf bester Teerstraße mit vielen Hügeln.

Kreuz und quer durch Sierra Leones Dschungel. Ein Farbschauspiel wie aus Jurassic Park. Dieses Land und Liberia sind sowohl naturmäßig als auch die politisch Vorlage für Blood Diamond. Immer mal wieder findet Raubabbau mitten im Urwald statt um nach Bodenschätzen zu graben oder für riesige Palmölplantagen.

Alles ausländische Investoren: Chinesen, Inder, Malaysier und Europäer.

Selbst neben der Hautstraße zwischen Free Town und Bo kein Strommast, kein fließend Wasser, nichts.

Leben wie vor zwei, drei, vierhundert Jahren. Allein die Buschtrommel durchs Handy ersetzt. Aber nicht einmal in jedem Dorf ein Generator um die Dinger aufzuladen. Es wäre zu einfach hier mal ein paar Solarpanel zu installieren.

Nachts verziehen wir uns von der Straße und finden immer wieder Unterschlupf in einer Schule. Es wird der Dorfälteste oder der Schulleiter befragt. Eine ganz gute Methode um nachts etwas Schutz vor den Regenschauern zu haben. Nur morgens müssen wir vor den Kids aus den Klassenräumen. Dafür erfahren wir viel Gastfreundschaft. Wir werden immer wieder zu Kasaba eingeladen. Nicht wirklich vielfältig die afrikanische Küche in diesem Bereich. Zum Glück jede Menge Bananen und Ananas am Straßenrand.

Aber fast kein Mangos mehr, aus unerfindlichen Gründen werden hier keine Mangobäume angepflanzt, aber nach gut zwei Monaten Überdosis Mango trauer ich ihnen nicht allzu sehr hinterher.

Sooo viel an das ich mich erst mal wieder gewöhnen muss, den Rhythmus um ins biken reinzukommen, daran dass ich nicht mehr alleine reise, und dem einfachen Straßenessen, nachdem Martin mich zwei Wochen mit einer tollen Küche verwöhnte.

Yakyakyak, back on the Road again. Aber auch ein gutes Gefühl wieder im Sattel zu sitzen und durch eine spannende Landschaft zu treten.

Der LKW- und Autoverkehr hält sich in Grenzen.
Die völlig überladenen Karren bleiben aber auch oft am Straßenrand liegen, ein Bild an das man sich schon völligst gewöhnt hat.

Was viel mehr nervt sind die Kids und teilweise sogar Erwachsene die uns „Pumui oder Opodo“ hinterher schreien. Manche die kreischend hinterherrennen.

Egal wo wir halt machen wird man angestarrt. Selbst beim T-Shirt-Wechsel, beim Pinkeln oder beim essen.

Was macht der Weise.

Manchmal legt sichs, manchmal aber eben nicht keiner der zuhört und immer nur die drei vier gleichen Fragen.

Ungeschlagene Nummer eins: „What´s your name?“
Aber dann kommt oft: „What´s your mission?“ Bitte was? Klar, wir sind in heiliger Mission unterwegs.

Keine Ahnung was meine Missionen sind. Aber obwohl Englisch Landessprache ist bleibt nicht viel hängen.

Selbst kleinste Kids die noch gar keinen Bezug zu Geld haben rennen uns hinterher und schreien „Money! Money! Money!“.

Manchmal drehen wir den Spieß um, wenn die uns “Weißer“ hinterher schreien kontern wir mit „Schwarzer! Schwarzer!“, wenn sie Geld von uns wollen zeigen wir unsere leeren Taschen und fordern sie auf uns etwas Geld/Essen abzugeben.

Essen ist genug vorhanden, überall Straßenstände an denen Kasabi und Maiskolben angeboten werden, keiner der wirklich hungern muss. Die Armut hier besteht darin das nichts, wirklich fast nichts an Technik und viel wichtiger überhaupt keine Bildung vorhanden ist.

Wenn wir an Schulen vorbeiradeln hören wir immer nur das laute Wiederholen der gesamten Klasse was der Lehrer vorplappert. Es gibt kaum Bücher. Jeder Schüler bekommt alleine für die Anwesenheit in der Klasse schon vierzig Prozent der Punkte um weiterzukommen. Weitere zehn wenn er mal etwas sagt und die letzten 10 Prozent für die Teilnahme am Test.

Ja, und der Lehrer ist genau so dumm wie wir. Alles ist einfachstes Niveau, selbst in der neunten Klasse können die meisten nicht mal das Kleine Einmaleins.

Das merken wir sogar beim Handeln wenn wir versuchen zwölf Kekse zum Preis von zehn zu bekommen.

Aber irgendwie einigt man sich dann immer.

Bis zur Stadt Bo ein Traum an Straße, 270 Kilometer auf einer welligen Schnellstraße. Viel Keks und Cola Stopps wurden eingelegt. Von Sierra Leones zweitgrößter Stadt sind es gerade noch 170 Kilometer zur Liberianischen Grenze. Noch ein paar Kilometer wenig befahren Teerstraße. Eine Brücke und dahinter beginnt das was wir schon wussten. Eine Sandige rote Dschungelpiste. Geplant war der Ausbau schon vor dreißig Jahren aber dann brach der Bürgerkrieg aus. Seit dem passiert hier nicht viel. Minimaler Autoverkehr. Jeder Europäer würde diese Strecke als nicht mit dem Auto überwindbar bezeichnen. Alleine mit unseren Fahrrädern eine Herausforderung. Wasserlöcher Knietief durch die wir waten. Dabei haben wir Glück gerade Mal die fünf Tage erwischt zu haben an denen es nur wenig regnet. Zwei Stunden echter Monsun und wir kämen keine zwanzig Kilometer pro Tag voran.

Der Untergrund ist super sandig was zwar Kraft kostet, aber dadurch versickert das Wasser schneller und kein Lehm der Reifen und Rahmen verklebt. Trotzdem sehen wir wie Schmuddelkinder aus.

So wie die sich nur mit Kopfschütteln vorstellen können das wir hier mit den Rädern aus Europa her geradelt sind ist es für uns ein unglaubliches Bild auf diesen Pisten mit den Karren durchzukommen

Völlig runtergekommene Fahrzeuge auf einer Strecke die ein Mitteleuropäer gerade mal mit einem Panzer befahren würden. Haupt Transportmittel sind die Motorräder, ebenfalls vollkommen beladen oft mit drei, vier Personen plus Gepäck.

Mit Motorrad und Fahrrad kann man immer hin Slalom um die Meisten Schlaglöcher und Pfützen ausweichen. Aber einige Wasserlöcher sind so groß und tief das wir selbst am Rand noch halb mit den Rädern im Schlamm versinken.

Aber nicht nur der Schlamm und die Pfützen lassen diesen Weg beschwerlich werden.

Kein Kilometer der flach verläuft, es geht nur Hügel hoch und Hügel runter. Dazu tief ausgewaschene Spurrillen, in die man nicht reinrutschen sollte.

Aber ich habe meinen Spaß, zumindestens in den Downhills, für diese Pisten habe ich Biki ausgerüstet.

Bergauf sieht’s anders aus, durch die Schlammlöcher ist meine Kette ausgewaschen und schleift.

Sie verhakt sich fast Minütlich, kein gutes Gefühl. Ich rechne jedes Mal damit dass sie reißt, aber bis jetzt viel Glück. Genauso wie mit dem Wetter. Kaum vorzustellen, wenn es stundenlang richtig schüttet wie hoch das Wasser in den Löchern steht.

Selbst jetzt müssen die Fahrgäste oft austeigen und vom Dach der Fahrzeuge krabbeln, an Pfützen und Steilpisten und ein paar Meter zu Fuß laufen.

Gut zweihundert Kilometer von Bo der zweitgrößten Stadt Sierra Leones nach Bo dem Liberianischen Grenzort.

Mitten drin liegt Poteru, ein kleines Örtchen. 20 Kilometer nördlich davon ein Nationalpark auf einer Insel im Moa Fluss, einem Paradies für Affen und die Pygmynilpferdchen, der Miniversion der Nilpferde. Wie Ponys unter den Pferden oder die Wallabys unter den Kängurus. Wir machen einen kleinen Abstecher auf Taiwai Island. Mit einem kleinen Motorboot setzen wir über. Außer einer Handvoll Handwerker ist niemand auf der Insel. Unter Pavillons sind Zelte aufgebaut, die riechen zwar leicht moderig sind aber ein guter Moskitoschutz. Noch in der Nacht tigern JB und ich für zwei Stunden durch den Park.

Am Morgen kommt ein Guide der uns für fünf US Dollar über die Insel führt. Lauter kleinste Pfade, aber von den Pygmihippos weit und keine Spur. Dafür toben hoch über uns jede Menge Affen rum. Da kann es einem schon mal schwindelig werden so hoch ragen die riesigen Tropenbäume.

Auch wenn wir keine Nilpferdchen sehen so haben wir uns drei Stunden durchs Urwaldgehölz mit Machete geschlagen. Pfade auf denen man hätte wirklich nicht biken können. Ein wirklich schöner Fleck Natur hier in Sierra Leone.

Es geht wieder zurück wo wir hergekommen sind auf der Piste Richtung Liberia. Abends landen wir in einem Guesthouse, 50 Kilometer vor der Grenze. Schon in diesem Ort strenge Passkontrollen. Es dauert ewig bis man unsere zwei Namen eingetragen hat. Es dämmert und im Guesthouse wollen die jetzt das doppelte wie abgesprochen. Aber mit etwas Verhandlungsgeschick einigt man sich dann doch noch friedlich, jeder denkt das wir reich sind nur wegen unserer Hautfarbe.

Die letzten paar Kilometer nach Liberia haben es in sich. Eine Wassergrube nach der anderen, abenteuerlichste Ersatzbrücken aus Rundhölzern und immer nur Buckel runter und Buckel wieder hoch. Nur Spinner begeben sich auf diese Route. Ja, wir gehören dazu. Immer wieder erstaunlich was die auf jegliche Art motorisiertes Fahrzeug packen. Selbst auf Motorrädern werden Säcke zwei Meter hoch festgezurrt und dann sitzt man noch zu dritt darauf. Die Jungs mit ihren Zweirädern sind für den Transport zwischen den Dörfern zuständig und fahren bei jedem Wetter. Ein Unglaubliches Bild wenn wir im Monsunschutt Unterschlupf suchen und ein paar wenige immer noch tapfer gegen den Regen kämpfen. Dann sind da die paar wenigen Autos ebenfalls Mega be-/überladen. Eine Handvoll die jede Stunde an uns vorbeiziehen. Ich frage mich oft wie weit die kommen, manchmal liegt die Antwort nur fünf Minuten weiter vor uns, mit irgendeinem Defekt, aber einige die so mit ihren totreparierten, zusammengeschweißten Flickenteppich immer noch ihr Ziel erreichen.

Und dann gibt es die fünf, sechs LKWs die fernab von gut und böse diese Strecke meistern. Brücken auf denen ich mich schon mit Biki unwohl fühle, so klapprig, die riesigen Schlaglöcher um die man mit so einer Kiste nicht einfach rumfahren kann. Richtig Lustig die letzte Fähre vor der Grenze.:

Ein riesiges, metallenes, rostiges Floß. Der Spaß an der Sache ist ihr Handantrieb. Sechs Jungs mit Handschuhen bewaffnet tun so als würden sie was machen und halten sich am Drahtseil fest. Ein einziges junges motiviertes Bürschchen arbeitet für sein Geld. Auf der Anderen Seite wartet schon ein LKW, da dürfen die anderen Boys dann auch mit anpacken und sich am Tauziehen beteiligen.

Ja, jeden den ich später treffe und diese Strecke abgefahren ist erinnert sich an diese besondere Fähre.
Ein Stück weiter treffe ich einen Trucker. Auf dem Weg durch Liberia nach Guinea Conakry, sein LKW liegt im Schlamm am Seitengraben. Vor 10 Tagen hatte er hier einen Getriebeschaden, der inzwischen behoben sein sollte. Durch den langen Stand hat sich die Batterie entladen, wieder warten und hoffen auf Hilfe.

Das inmitten der Monsunregen.

Dafür strahlt der Urwald in seinen schönsten Grüntönen und ja, der Regen hält sich einigermaßen in Grenzen, zu mindestens bis heute.

Fünf Kilometer vor der Liberianischen Grenze machen wir am späten Nachmittag Stopp. Wir wollen erst morgen ohne Stress gut ausgeruht über die Grenze.

Ein kleines verträumtes Dorf. Wieder ist es zufälligerweise das Haus eines Lehrers. Es ist noch im Rohbau, hat aber schon ein neues Metalldach. Lange, lange müssen wir warten, bis der Dorfälteste kommt und seine Genehmigung abgibt. Aber dann lässt man uns wirklich auch in Ruhe.

Ja und es kommt eine Regenguss nach dem anderen. Das Blechdach über uns wie in einer Trommel. Keine Unterhaltung ist möglich, man kann sich höchstens anschreien. Es regnet nicht nur die Nacht, auch den nächsten halben Tag. So sitzen wir morgens unterm Vordach und betrachten das Dorfleben im Regen.

Ein paar Kids die nackt durch den Regen rennen und spielen, ein paar wenige Motorradfahrer plus Mitfahrern draußen im Schauer. Drei vollbeladene Pkws die von der Grenze kommen, kurz halten und schauen ob noch alles an Bord ist. Ein Regen wie zur Arche Noah, kein Erbarmen, es hilft nichts. Mein Visum läuft heute aus und wir müssen zur Grenze. Leicht nass erreichen wir den ersten Grenzposten für die Ausreise. Den Ausreisestempel bekommen wir auch recht schnell. Nun nervt ein Zollbeamter und möchte unsere Fahrradpapiere sehen. Diese Art von Diskussion hatte ich schon öfters, aber der hier übertreibt es ein bisschen. Wir müssen in sein Zimmer, er kramt Fahrzeugpapiere von einem Motorrad raus und erklärt wir hätten so etwas mit uns mitzuführen, als Beweismaterial.

Es dauert eine geschlagene halbe Stunde ehe wir sein Zimmer wieder verlassen können ohne, wie er immer wieder droht, ins Gefängnis zu müssen.

Noch einmal anstehen zur Gesundheitskontrolle, man will unseren Impfausweis jetzt natürlich auch sehen ehe wir Richtung Liberia können.

Noch bevor wir nach Liberia einreisen können ein überschwänglicher Polizeibeamter, der JB eine Ewigkeit erzählt wie toll Liberia und wie arm Sierra Leone ist. JB geht auch auf jedes Detail seiner Rede ein und ich habe das Gefühl mein Franzose glaubt diesem Quacksalber auch noch.

Klar, alles easy alles Super; in Liberia, keine hundert Meter weiter warten wir eine ganze Weile auf den Einreisestempel. Dann die Ernüchterung, keine 90 Tage wie es unser Visum sagt, ganze 15 Tage bekommen wir. Sicher können wir die verlängern, aber bestimmt nicht Umsonst, wie uns dieser Grenzbeamte verspricht. Dafür bin ich inzwischen lang genug in Afrika. Nichts was mit dem Weißen Mann und Bürokratie zu tun hat ist für Umme.

T.A.I.

This is Africa

Wir haben Liberianischen Boden unter den Füßen, immerhin beginnt hinter der Grenze endlich wieder eine geteerte Straße die bis Monrovia führt. Aber nicht für uns!

Und wieder das Spiel mit dem Geldtausch, was und wer ist wie viel wert. Wir tauschen unsere Leons in Liberia Dollars.

Ja, hier liebt man Dollars: sicher die eigenen Liberia Dollars die nicht allzu viel wert sind und echte US Dollars. Ja, überhaupt erinnert so manch ein kleines Detail an Amerika. Allem voraus die Liberianische Flagge. Und immer mal wieder eine große rostige Metalltafel mit der Aufschrift: „From the American People … to the Liberian People“

Gerade einmal 12 Kilometer schicken Asphalt den wir in Liberia genießen. Nach nicht einmal einer Stunde auf Liberias Hauptstraße biegen wir in Tiene rechts ab.
Der Monsun von der Nacht der uns noch von bis vor kurzem Pudelnass machte, wie weggeblasen, so dass wir uns auf einen kleinen Abstecher über Robertsport auf diesem Holperpfad wagen. Angeblich existiert am Ende des Feldwegs eine Fähre durch die Mangroven nach Robertsport.

He, den Spaß hatten wir doch die gesamte letzte Woche. Weiter geht es auf einer Sand-Lehmpiste durch dichten Urwald vorbei an kleinen Dörfern, interessanter Weise allesamt muslimisch. Dabei soll Liberia zu achtzig Prozent christlich sein.

Abends wird uns wieder ein „Neubau“ angeboten, dieses Mal mit gekacheltem Boden, richtigen Fenstern und funktionierendem Moskitoschutz. Noch nicht fertig und schon sieht ein neues Haus wie das hier zehn Jahre alt aus. Aber man überlässt uns völlig umsonst das Haus mitten im Dorf. Außen herum die Hütten, um ein vielfaches einfacher. Primitiv, aus Ölfässern Kochstellen gedengelt, ein Leben im Schlamm. Die meisten Hütten haben noch nicht einmal einen abgesetzten Boden als Schutz gegen den Regen. Für das ganze Dorf eine Pumpe und ein paar Latrinen. Fast peinlich berührt das wir in einer der Luxuswohnungen untergebracht wurden, bedanken und verabschieden wir uns. Als kleines Andenken haben wir Postkarten vorbereitet die wir unseren Gastgebern als kleines Dankeschön übergeben.

Mittags erreichen wir das Ende der Straße im Niesel. Von wegen Fähre, die ist seit drei Monaten kaputt und würde in der Regenzeit auch nur selten fahren. Wir stehen in einem Dorf mit etwa hundert Einwohnern. Nein wir sind nicht die ersten die hier stranden und durch die Mangroven in das fünf Kilometer entfernte Roberts Port wollen.
Man bietet uns eine Pirogue für 30 US Dollar an.

Ein langes Fischerboot das aus einem Palmenstamm geschlagen wird. Angeblich hätte gerade letzte Woche ein Amerikaner alleine diesen Preis bezahlt. Wir sind weder amerikanisch noch bereit eine Unsumme für diese Kreuzfahrt auszugeben. So lässt man und erst mal im Regen stehen und verschwindet in die Hütten. Ja auch die Afrikaner sind nicht ganz dumm. Sie wissen wie sehr wohl wie sehr der weiße Mann es hasst zu warten. Es gilt Ruhe bewahren und abwarten. Auch wir tun so alles hätten wir alle Zeit der Welt gepachtet. Ich pendle durchs Dorf, trinke einen Tee und wir setzten uns wieder zum Kanu. Inzwischen haben wir schon demonstrativ die Räder abgeladen. Irgendwann kommt einer der meint wir sollten doch 500 Liberian Dollar zahlen und dann würde man uns schon rüber paddeln. Ich gebe mein OK, aber dann revidiert er seine Aussage und meint 500 Liberian Dollar pro Kopf. Irgendwo da liegt der reale Preis.

Weiter zehn Minuten später, kommt ein Kerlchen und sagt mir zu uns für 550 Liberians nach Robertsport zu rudern, im gleichen Moment kommt JB mit noch einem Steuerman der 600 LBD will. Das ist genau der Preis den ich mit JB als Obergrenze festgelegt hatten.

So ein bisschen mulmig ist mir schon. Nicht das ich Angst hätte ins Wasser zu fallen, aber eine knappe Stunde in so eine Nussschale, die eben noch halb voll mit Wasser stand, Biki plus Ausrüstung anzuvertrauen. Es schaukelt wie in einem Kajak, wir sitzen unbequem auf einer Holzplanke.

Was eine Ruhe, nur das Paddel gleitet durchs Wasser, umgeben von den Mangroven, Büschen und Bäumen die ihre Wurzeln ins Wasser baumeln lassen. Man gewöhnt sich an das schaukeln. Ab und zu tauscht unser Steuermann das Paddel gegen eine lange Bambusstange und stochert den Kahn wie in Venedig durch die flacheren Gewässer.

Hinter den Mangroven erreichen wir Lake Piso, ein Bucht die uns nur durch eine Sanddüne vom Atlantik trennt. Jede Menge Fischer in ihren Pirougen gerade vom Fang kommen. Ein bunte Bootflotte, die neben uns jetzt nach Roberts Port rein rudert. Eine knappe Stunde später haben wir wieder Festland unter den Füßen. Roberts Port, die offizielle Landesbank ist schon geschlossen, aber in der ersten Liberianischen Stadt stellen wir schnell fest das man hier überall mit US Dollar zahlen kann. Ja an der Tankstelle werde sogar nur Dollar angenommen. Alle Preise, auch das Benzin ist in US Dollar ausgeschrieben.

Vom Kanu aus hatten wir eine interessante Ruine gesehen, auf die wir hochklettern. Ja, riesige alte Gutshäuser, halbe Schlösser die hier jetzt wieder vom Urwald eingenommen werden.

Das waren mal echte Prunkbauten aus anderen Zeiten, verspielte Terrassen mit einem gigantischen Blick über die Stadt und die Bucht. Robertsport, ein verschlafenes Nest das in zwei Wochen kurz wachgerüttelt wird. Hier findet jedes Jahr die größte Party des Landes am Unabhängigkeitstag statt und der ist am 26. Juli. Robertsport hat angeblich den schönsten Sandstrand Liberias. Von Tourismus weit und breit keine Spur, nur einige UN Fahrzeuge. Nach der Erkundungstour zum Strand und den Ruinen sind wir hungrig und setzten uns ins nächste Straßenrestaurant. Aber genau so schnell fliehen wir wieder als wir die Preise erfahren. 400 LBD/vier Euro für zwei Hand Reis und etwas Fisch, dem zehnfachen was wir in Sierra Leone zahlten.
Touristen können den Preis nicht verdorben haben, es sind die UN Soldaten, die hier solche Preise zahlen.

Ja und die tauchen in einer immer größeren Zahl auf. Hier in Robertsport sind es nur einige aber in den folgenden Tagen sind wir öfters von Scharen dieser weißen Pick Up Trucks mit blauem UN Schriftzug umgeben. Viel mehr als in Sierra Leone oder Guinea.

Der Frieden in diesem Land ist noch keine zehn Jahre alt. Eine lange Zeit des Bürgerkriegs hat tiefe Spuren der Verwüstung und Armut hinterlassen. Kaum noch Hunde oder Katzen am Straßenrand, angeblich wurden einst in der Not wirklich alle Tier und Nahrungsreserven angegangen. Ein eher trauriges Bild, die Affen in Ketten am Straßenrand. Zwei Mal sehen wir sogar Jäger die gleich mehrere Äffchen erlegt haben und zum Verzehr vorbereitet sind. Angeblich ist das Jagen und Töten von Affen nicht verboten. Zwei Mal wird und Reis mit Fleisch angeboten, wovon wir uns sicher sind dass das kein Hühnchen war.

Nachmittags radeln wir aus Robertsport raus Richtung Hauptstraße. Eine breite ordentliche Lehmpiste, endlich wieder gut zu radeln. Mitten zwischen zwei Dörfern ein bewachtes Grundstück. Wir fragen das Wachpersonal und die lassen uns in ihrem Wachraum Schlafen. Der Wachraum stellt sich als extrem luxuriös dar, ein kleines Häuschen sogar mit Klimaanlage, Dusche und Toilette.

Am Morgen erfahren wir das die Villa vor uns das Guest House des Präsidenten, oder in dem Fall der Präsidentin, am Piso See ist wenn sie nach Robertsport kommt. Wow, und die zwei lassen uns hier so einfach schlafen, eine gewisse Gastfreundlichkeit kann man diesem Land nicht abstreiten. Die Zwei sind echt gut drauf und zuvorkommend. Helfen mit allem wie und wo sie können ohne zu nerven.

Ein traumhafter Ort mit kleinem Strand, einem Fischerboot, Pavillons um im Schatten zu sitzen mit Bambusbänken am Seeufer. Keine zig Gestalten die um uns rumturnen oder nerven. Was ein ruhiger entspannter Morgen.

Mittags erreichen wir die Hautstraße nach Monrovia, aber klar, es gibt noch eine Sehenswürdigkeit neben Robertsport in Liberia. Der Bluelake von Tubmanburg. Einst eine Diamantenmine die jetzt mit Wasser vollgelaufen ist. Anstelle nach rechts Richtung Monrovia abzubiegen, schlagen wir uns links hoch in die Berge. Immerhin eine gut geteerte Strecke bis Tubmanburg, nur einige Brücken befinden sind noch im Bau. Es geht vorbei an riesigen Palmenplantagen. Hier sind reiche Chinesen aus Malaysia am Werk. Wie einst in Südostasien werden hier Palmölfabriken entstehen, schon große Siedlungen für die Arbeiter sind Angelegt. Auf halber Strecke zum Bluelake halten wir auf einer Brücke für Fotos, drei Jeeps mit Schlipsträgern stoppen und stellen sich zu uns um Bilder zu machen. Big Businessboys aus Indien, Pakistan, Saudi-Arabien, Holland und England. Der Inder mit dem ich mich unterhalte verrät sogar dass sie hier für Mining sind und im Bereich des Bluelakes bald wieder anfangen zu Graben. Allerdings ob sie wieder wie einst auf Diamantensuche gehen hat er nicht verraten. Aber ich nehme es an.

Langsam erklärt sich die große Zahl der peacekeeping UN Soldaten. Die Großen der Welt sind am Frieden des Landes interessiert weil es so voll von Naturschätzen ist, und eine noch kaum existierende Rechtsgrundlagen gibt. Juristisch rechtsfreier Raum. Dieses Land verfügt über die Weltweit größte Oceanflotte, weil Redereien ihre Handelsschiffe hier registrieren und unter Liberianischer Flaggen fahren, weil kein anderes Land so günstig die Ozeanriesen registriert und besteuert.

Hinter Tubmanbourg eine großes UN Headquarter, wir radeln an den Blauhelmen vorbei und erklettern mit den Bikes die steile Schotterstraße zum Bluelake.

Ein toller Blick im Sonnenuntergang über diesen See und die künstlich durch Bergabbau angelegt Szenerie.

Aber nach den zig Jahren Krieg hat die Natur sich wieder die Steinbrüche zurückgeholt und grün eingekleidet.

Unten am Seeufer finden wir zugewachsene UN Pavillons, ein verträumter Ort perfekt für zwei Radler. Jeder von uns bezieht einen der hinteren Pavillons, gut geschützt vor Regen, von außen nicht einsehbar. Ich ziehe in die „Peace Hut“ ein JB bekommt den „Kommandoraum“.

Noch nachts gehe ich in dem See baden. Phantastisch, die Sterne über mir im klaren, reflektierendem Wasser. Das Wasser so klar das man den Grund sieht. Noch bis vor zwei Jahren stand hier eine Abfüllanlage für Trinkwasser, von der aber nur noch die Abrisstrümmer zu sehen sind.

Am Morgen kommen UN Fahrzeuge und ein UN Tanklaster und pumpen Wasser aus dem See in den Tank für Trinkwasser

Jetzt wird’s lustig; JB rennt nackt am Ufer rum und zwei bewaffnete UN Soldaten kommen auf ihn zu.

Ich bereite gerade Frühstück etwas oberhalb in einem der Pavillons vor und betrachte das Geschehen aus zwanzig Metern Distanz. Aber den zwei UN Soldaten scheint es absolut nichts auszumachen sich mit einem nackten Weisen zu unterhalten. Auf jedenfalls kann JB so nicht bewaffnet sein.

Geschwätzig wie mein französischer Freund ist schafft er es in kürzester Zeit sich mit den zwei Jungs anzufreunden. Fünf Minuten später erscheint er mit den beiden bei mir.

Die zwei richten sich kurz ein und holen jetzt sogar Whisky zum Frühshoppen raus und bieten uns den Schnaps zum Frühstück an.

Ein dritter Blauhelm kommt rüber und der Tanklaster verschwindet wieder. Die drei Jungs aus Nigeria sind heute hier am See stationiert und passen auf ihren Whisky auf. Ein lustiger lockerer Morgen. He, wenn wir nicht aufpassen würden, wären die Jungs mit Schnapsflasche auf den Bildern.

Schade dass dieser tolle Ort bald wieder von Baumaschinen umgeben sein wird und man erneut versucht Diamanten zu finden. Die UN Soldaten sind nur Marionetten die aufpassen das in der Zwischenzeit kein anderer auf die Idee kommt um die Diamanten zu klauen.

Man hätte dieses Gelände ja unter Naturschutz stellen können, es zählt zu den wenigen Attraktionen Liberias, aber die großen haben schon längst den Kuchen unter sich aufgeteilt. Wichtig ist nur das keine weiteren Unruhen im Land entstehen. Und Schwuppsdiewupps sind hier wieder große Investoren um das Land auszurauben.

Wir rollen aus dem Urwald raus Richtung Atlantikküste nach Monrovia. Nach einer spannend zu fahrenden Straße durch den Urwald erreichen wir spät nachmittags die Vororte Monrovias. Wir sind im Flachland, von der Bewaldung keine Spur mehr. Links und rechts große Wasserflächen mit Grünpflanzen. Der Verkehr nimmt explosiv zu, ein Gewusel. Im Dauerzustand hupende Autos. Ja, jeder Hupt um zu warnen auch wenn’s keinen Grund gibt. Und wenn’s einen Grund gibt wird gehupt aber auf keinen Fall gebremst. Da heißt für uns bei jedem Hupen auf den nicht vorhandenen Seitenstreifen zu springen.

Wir wollen nicht bei Nacht in Monrovia ankommen, so versuchen wir uns an die Atlantik Küste zu schlagen. Von der Straße runter durch ein nicht enden wollendes Slum. Eine Blechhütte folgt der anderen, Kinder rennen uns hinterher. Wir haben kein gutes Gefühl. Es wird dunkel, wir auf der Suche nach einer Schlafmöglichkeit und sind nur Umgeben von einfachsten Hütten. Mitten in einer Dichten Siedlung hört die Piste auf. Unsere Navi sagen dass das Meer knapp einen Kilometer dahinter beginnt.

Ein sandiger Pfad Richtung Dünen, wieder eine Horde Kids die uns johlend hinterher rennt. Ich rufe JB zu er soll in die Pedalen treten, es hilft: Nach fünfhundert Metern haben wir sie abgehängt. Aber länger hätte die Verfolgung nicht dauern dürfen, jetzt stecken wir in den Sanddünen fest, und schieben unsere Räder durch den Sand zur Küste.

Keine hundert Meter von den Wellen entfernt steht ein großes umzäuntes Haus mit Kameras und Wachhunden. Keiner der auf unser Klopfen und rufen aufmacht. Ein Stück daneben zwei nie fertiggestellte Bauruinen. Einem perfektem Campingspot, JB steckt die Horde Kids noch in den Knochen und verkriecht sich tief in einer der Ruinen.

Ich mache Spagetti mit Rührei, merke aber wie mein Magen rebelliert. Nachts kommt dann auch die Antwort in Form von Durchfall.
Am Morgen dann Besuch vom Wachpersonal, die eigentlich auch nachts hätten anwesend sein sollen, aber einer hatte sich eine große Fleischwunde zugelegt, die dringendst im Krankenhaus behandelt werden sollte. Es ist die Wochenendresistenz einer der Reichesten im Land, dem Chef der Total Tankstellen. Alles in diesem Land wird mit Benzingeneratoren betrieben, auch der gesamte Strom in den Dörfern. Selbst für Monrovia die Stadt existieren nur riesige Benzingeneratoren, was den Strompreis um ein vielfaches teurer macht als in Europa.

Vom Strand aus können wir Monrovia schon gut erkennen. Wir zerren unsere Räder durch die Sanddünen zurück ins Dorf und es geht auf die Hauptstraße. An der Kreuzung werden wir erst einmal gestoppt. Parade stehen für die Präsidentin. Ein Autokorso von fünfzig Fahrzeugen, irgendwo dazwischen die Limousine von Ellen Johnson, der Präsidentin.

Noch fließt der Verkehr, im Vorstadt Bereich angekommen stehen selbst wir mehr als wir rollen. Autos und LKWs verkeilt, jeder der sich irgendwo reindrängelt. Dazwischen die Horden verrückter Motorradtaxis. Sicher die „effizienteste“ Art sich irgendwohin fahren zu lassen, wenn man einen gewissen Drang zu Adrenalin hat. Die meisten der Mopedjungs waren Kindersoldaten in diesem so sinnlosen Krieg, damals wie heute noch unter Drogeneinfluss und wohl mit so einigen Trauma. Genauso verhalten sie sich im Straßenverkehr - vernarbt von Gut und Böse.

In Monrovia angekommen - hinter der amerikanischen Botschaft - machen wir eine Mittagspause vor der Wohl merkwürdigsten Botschaft die mir untergekommen ist. Oder besser gefragt: bitte wer beantragt ein Visum beim Vatikanstaat? Ich wusste nicht dass der Papst Visa vergibt. Einen Kilometer weiter ist es eine Kirchliche Einrichtung in der wir „günstig“ unterkommen. Günstig sind dreißig US Dollar für einen kleinen Raum mit zwei Betten.
Monrovia ist die erste Stadt in Afrika wo man keine lokale Währung aus dem Geldautomaten bekommt. Richtige US- anstelle der Liberian Dollars. Die US Dollar tauscht man dann Beim Straßenhändler der neben dem Automaten sitzt. Das lustige: Wenn man bereit ist einen großen Haufen Geld zu nehmen bekommt man einen besseren Kurs als wenn man deutlich weniger Papier in Form von 100 Liberian Dollarscheine nimmt. Das sieht dann so aus: Bei 100 US Dollar kann man 75 Scheine, also 7.500 LIBs bekommen, oder eben 7.700 LIBs. Man hat dann aber nicht nur eine Tasche sondern den halben Mantel voll mit Geldscheinen und man müsste mindesten zwanzig Minuten nachzählen ob man nicht übers Ohr gehauen wird.

Ja, Monrovia, hier ist so vieles anders als im Rest Liberias. Die Stadt macht einen aufgeräumten sauberen Eindruck. Immerhin scheint es im Zentrum 24h Strom zu geben auch wenn teuer erkauft. In den Supermärkten, Tankstellen, Hotels, Bars und Restaurants wird mit US Dollar gezahlt, überhaupt ist der US Dollar hier Zahlungsmittel No.1. Und die Straßen in und um den Stadtkern sind in gutem Zustand. Das beste sind nagelneue Ampelanlagen die vor zwei Monaten in Gang gesetzt wurden, nur die Autofahrer und Biker wissen noch nicht so recht damit umzugehen.

JB und ich kontaktieren alle möglichen Leute um eine günstigere Bleibe zu finden. Am dritten Tag öffnet sich uns ein Himmelstor. Lisa, eine Freundin von einem Freund auf JBs Facebook Seite, hat erfahren das wir in Monrovia ein Plätzchen suchen. Sie lädt uns zu sich ein.

Wir stehen vor einem großen Wohnkomplex mit drei Gebäuden und 24 riesigen Appartements. Im Innenhof ein Schwimmbecken. Ein Leben wie in einer Seifenblase, mit fließend warmen Wasser, Internet und 24h Strom der von Benzingeneratoren im Hinterhof produziert wird. Ja, die Strompreise sind extrem hoch, für eine Wohnung wie diese fallen gerne mal vier bis fünfhundert Euro monatlich an.

Wir bekommen ein großes Gästezimmer mit Doppelbett und eigenem Bad und Klimaanlage, die in allen Räumen den ganzen Tag läuft. Das beste sind zwei Haushälterinnen die sich freuen endlich eine Aufgabe zu haben.

Lisa arbeitet für die Schwedische Botschaft und die Wohnung samt Angestellten wir von Schweden gestellt. Luxuriös eingerichtet, für Liberia und besonders uns eine Art Vier Sterne Hotel. Die zwei Ladies kochen, putzen und waschen für uns. Das peinlichste ist, sogar an ihrem freien Tag in der Woche kommen sie weil sie der Meinung sind wir zwei müssten bemuttert werden.

Unglaublich wie gastfreundlich Lisa ist. Sie gibt den zwei Angestellten extra Geld um mehr Lebensmittel für uns einzukaufen. Und die können sogar richtig gut kochen. Mit Lisa ziehen wir abends und am Wochenende durch Monrovias Nachtleben. Sagen wir das Nachtleben wie es Schweden, Norwegen, Finnland und Dänemark hier gestalten. Wir sind meistens mit der gleichen Gruppe Nordlichter unterwegs.

Wenn mich jemand gefragt hätte wo ich an meinem vierzigstem Geburtstag bin hätte ich wohl niemals an ein Land gedacht das ich namentlich vielleicht ein paar Mal vorher gehört hatte.

Ein gemütlicher entspannter Tag am Strand und abends mit Lisa und JB im Steakhaus.

Ja und für Abends habe ich noch eine riesige Packung Eis organisiert und ein paar Flaschen Wein. Zurück in die Zukunft im DVD Player, sich auf der Couch niedergelassen, das ist ein Leben wie man es nur so genießen kann.
Wenn, ja wenn ein paar Tage danach nicht Malaria bei mir ausgebrochen wäre. Nachts die ersten Fieberschübe, und am Morgen bringt der Malariaschnelltest Gewissheit. Aber he, ich bin wohl am besten Ort dieser Reise um mich auszukurieren. Eine von Lisas Freundinnen die ebenfalls auf der Botschaft arbeitet, ist Krankenschwester und hatte schon öfters Malaria. Trotzdem kein Zuckerschlecken, mir geht’s nicht gut. Fieber und Muskelschmerzen wie ich sie bis jetzt nicht kannte. Nach vier Tagen sind Fieber und die Schweißausbrüche wieder verschwunden.

Jetzt gilt es wieder fit zu werden und sich auf die Weitereise vorzubereiten. Es kommt mir wie eine Ewigkeit vor das ich das Letzt Mal auf Biki saß.

Nachdem ich hier auf dem letzten Zahn meines Kettenblatts in die Stadt gekrochen bin habe ich den Antrieb komplett gewechselt, ich sollte noch ein paar Testfahrten unternehmen. So viel was man hier machen kann aber Zeit verfliegt wie nichts, Zeit weiterzugehen, wieder raus auf die Straße und dem einfachen Leben.

Viele schöne Tage die wir hier in Monrovia verbringen, Spiele am Strand, Videoabende, Stadterkundungen, Poolparties und Karaokeabende mit netten Schweden, Finnen, Norwegern, und Dänen.

Es ist die Gastfreundschaft und Hilfsbereitschaft der Schweden die ich wohl für immer mit Monrovia verbinden werde!

 

Danke Lisa.

 

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