Die Zugspitzaktion

Hier die GPS Daten von diesem Blog: runterladen und auf Google Earth nachfahren

Einmal mit Biki auf deutschlands höchsten Berg geklettert und im Downhill runter
Der Start morgens von der Bockhütte und abends wieder dort angekommen

Da will ich hoch, Deutschlands höchster Hügel ;)

Zugspitze
Die Regentage hinter mir gelassen mache ich mich neu motiviert auf den Weg Richtung Alpen.
Keine Ahnung wo ich bin; is it Links oder wombat rechts?


 



Was jetzt, links oder rechts ???

Jedenfalls habe ich das Flachland hinter mir gelassen.
Bin ich noch im hügeligen Schwabenland oder sind das schon die Ausläufer der Alpen?
Auf dem weg vom Bodensee Richtung Garmisch-Partenkirchen zum Fuße der Zugspitze.
Die kleinen Gassen die ich in mein Navi einprogrammiert habe sind zwar super verträumt aber oft geht senkrecht runter und wieder hoch. Überall Kühe, Hügel, dann und wann mal ein nettes Nest mit schönen Kirchen.
Aaaaber dieses Berg- und Talfahren, bin ich in einer Achterbahn??? Scheinbar, aber ich weiß das wird nicht viel besser. Und das was mich in den Alpen erwartet wird deutlich länger.
Aber gerade nervt’s und ich finde es angenehmer einen langen Pass hochzukurbeln als mich immer wieder aus so einem Loch hoch oder Bergkuppe rüber das Bike zu treten.
An drei vier stellen ist die Straße so steil das ich es nicht mehr schaffe hochzustrampeln, und hochschieben ist ebenfalls lästig.


 

Sin die Hügel schon die Alpen ?

Nachmittags nach Tagen kommt endlich die Sonne wieder raus und der Tümpel vor mir schimpft sich großer Alpsee.
Heee, dann scheinen die Hügel ja doch schon zu den Alpen zu gehören. Von oben geht dann nach Immenstadt runter. Ich kann’s nicht sein lassen auf einem Singletrail neben der Straße ein Pärchen mit Carbonfullys zu überholen.
Wenn mein Traktor rollt macht die Kiste richtig Spaß.


 



Ja der Bach kommt garantiert von ganz oben so kalt wie der ist

Ich folge dem Ostrachtal. Ja, das ist eindeutig ein Flussbett das aus dem Alpen kommt.
Und dann der erste echte "Berg" vor mir.
Will ich da heute noch hoch??? Ich stelle mich der Herausforderung mit viel Schwung fahre ich in die Rampe rein und komme geschätzte 5 Höhenmeter.
Was folgt ist der Einstieg in das was mich die nächsten Wochen erwartet.
Drei Stunden Zickzack fahren bis ich oben bin in Oberjoch. Angeblich laut Ortsschild dem höchsten deutschen Skidorf. Mehr ist hier auch nicht, nur ein paar leere Hotels und Skilifte.
Es ist dunkel geworden und bei Nacht möchte ich da nicht runterdüsen.
So schleppe ich mein Bike eines der Skipisten von dem Nest Hoch, bis ich einen einigermaßen geschützten und vor allem flachen Platz finde.
Neben mir plätschert ein Bach und um mich klingen die Kuhglocken: Willkommen in den Alpen. Nicht ganz schlecht; ich bin heute über 1600 Höhenmeter geradelt. Aber so ganz als Bergziege fühle ich mich doch noch nicht.

So, das ist doch mal ein Einstieg in den Tag, es geht erst einmal nur Bergab. Ich bin keine zwei Kilometer heute Morgen geradelt und überschreite die Österreichische Grenze.
Aaaales breg ab bis an den Haldensee und dann rüber ins Lechtal ein Stückchen hoch am Ufer des Plansee entlang. Zwei Rennradler auf Mountainbikes, rasierte Beine und Mallorcabräune überholen mich.
Ich hänge mich in den Windschatten denn sooo schnell sind die auch nicht. So richtig toll oberflächlich die zwei. Wir schnacken kurz, klar kennen sie die ganze Welt und haben zig Freunde und Bekannte die alle so eine Tour machen und ob ich die nicht auch kennen würde.
Hinter dem See beginnt eine Forststraße in das Neidemachtal, viel zu schön um weiter mit den Zweien mitzuhalten, ich stoppe für ein Foto und bin die zwei los.
Diese 10 km vom Plansee im Neiderbachtal sind der absolute Höhepunkt heute. Eine super zu befahrende MTB-Autobahn runter in das Loisbachtal Richtung Garmisch. Soo macht Biken Spaß. Da verstehe ich das manch einer sagt das sie mit dem Rad zu schnell sind.
Unten angekommen einem Radweg neben der Schnellstraße Richtung Garmisch.
Mit etwas Rückenwind bin ich eine gute Stunde später in Garmisch.


 

 

Großeinkauf im Aldi an der Zugspitze 5 für 10,86 €

Großeinkauf für die Zugspitzaktion. Im Aldi am Fuße des Berges. Doch von der Spitze des Zuges weit und breit nichts ;)
Die Wolkendecke fängt schon 400 – 500 Meter über mir an.
Vor dem Mc Donalds komme ich eine ganze weile mit einem gleichaltrigen Rumänen ins Gespräch, der erzählt wie die hier die Leute ausnehmen; weil er erst ein Jahr an einem deutschen Ort arbeiten muss ehe er ein deutsches Arbeitsvisum bekommt. Ein echt kleveres Kerlchen der seinen weg schon finden wird. Von seiner Freundin bekommen wir dauernd Kaffee nachgebracht.
Es ist eigentlich viel zu spät um jetzt noch groß wohin zu radeln.
Die Dämmerung bricht gerade ein als ich am Fuß des Reintal stehe. Ich habe genug Futter für Tage und ausgeruht nach der Kaffee von eben denke ich mir: Da kann ich doch noch ein Stück den Berg hoch und mich dann irgendwo in die Büsche schlagen.


 



Letzte Orientierung ehe es in der Dunkelheit das Reintal hochgeht

Aber als erstes kommt ein fettes Radverbotsschild im Partnachtal. Aber der Weg links und rechts geht gleich richtig steil hoch. An einem Verkaufshäuschen vorbei im Schutze der Dunkelheit wage ich mich auf den Weg, einem in die Schlucht eingeschlagenem Fußweg.
Gerade breit genug für mein vollbeladenes Bike.
Ein Blitzgewitter. Überall Touristen vor und hinter mir mit Fotokameras die jetzt noch in der Dunkelheit hier rumtigern.
Vor allem ist da fast kein Platz um aneinander vorbeizukommen, zumal ich mit dem leicht schlechten Gewissen hier gar nicht lang zu dürfen. Aber he, obwohl wir in Deutschland sind; keiner der mir irgendwie komisch kommt oder mir einen Vorwurf macht. Inzwischen mit Stirnlampe durch die Dunkelheit nach oben ca. zwei Kilometer ist dieser Weg in den Fels eingeschlagen und geht immer wieder durch Tunnel und unter uns tobt das Flusstal.
Vorbei gepresst an fast hundert Touries erreiche ich endlich das obere Ende der Schlucht.
Das Rheintal vor mir. Da oben irgendwo die Reintal Angerer Hütte die oft als Ausgangspunkt für eine Zugspitzaktion genutzt wird. Das wär’s so weit heute gekommen zu sein.
Es ist Nacht geworden und ich bin nicht ganz am Fuße des Reintals. Jetzt wird es etwas einfacher, eine Schotterstraße den Flusslauf entlang nach oben. Links und rechts dichter Wald und 100% Luftfeuchtigkeit: kein geeigneter Ort für einen Nachtplatz.
Nach ein paar Kilometern hört die Straße auf; ein paar geparkte Waldarbeiterfahrzeuge. Der Weg geht in einen kleinen verwurzelten und manchmal steilen Weg über.
Jetzt wird’s wirklich hart. Ich spüre den inzwischen doch recht langen Tag und von einem vernünftigen Schlafplatz weit und breit keine Sicht.
Ich bin gerade im Begriff zu sagen Scheiß egal wo, ich brauch jetzt einen Schlafplatz. Doch dann; ein schwaches Hüttenlicht vor mir.
Nach zwei Windungen eine richtig schicke neue Blockhütte.
Eine Gruppe Nightbiker so zwischen Vierzig und Fünfzig, die nicht so ganz glauben was da gerade aus der Dunkelheit hochgekraxelt kommt.
Es ist ihre mittwöchliche Abendrunde – wie die Jungs die ich Mittwoch Abend immer auf dem Dünsberg treffe.
Ich bin auf ein Hefeweizen eingeladen und wieder wird ein bisschen geschnackt. Ehe es für die Jungs sogar mit einer Quotenfrau wieder runtergeht und ich mein Zeltlager 200 Meter weiter aufschlage.



Meine Lady mal nackt und sexy ohne träge Schutzbleche und mit dem Hans Dampf

Ein nettes Plätzchen, neben mir rauscht die Partnach und ich fühle mich Top Fit
Trotzdem, ich schlafe völlig unruhig. Ist es wegen der Aufregung der letzten Tage, bin ich vielleicht sooo ganz leicht überdreht???
Oder ist da doch ein bisschen Nervosität und Respekt vor dem was kommt?
Tag der Zugspitzenbesteigung.
Es ist der 5. September. Seit heute sitze ich genau einen Monat im Sattel und ich habe schon so einiges erlebt in den letzten 31 Tagen.
Auch wenn ich nur wenig geschlafen habe, ich fühle mich gut und das Wetter spielt einigermaßen mit. Da gab es Manche die mir im Vorfeld richtig Angst gemacht haben und unten noch in Garmisch behaupteten da oben lägen 30 Zentimeter Schnee!!!
Sechs Uhr morgens fange ich an mich zu organisieren. Das Zelt eingepackt, geht es die hundert Meter wieder runter zur Blockhütte. Dort hatte ich gestern Abend abgesprochen, das ich mein Gepäck dort über den Tag stehen lassen kann.
Hier schraube ich die Gepäckträger ab und die Reifen werden gewechselt.
Extra für diese Aktion habe ich einen Extrasatz MTB Reifen dabei: den Hans Dampf.
Bis mein Rad fertig montiert, alles gerichtet und das Gepäck abgegeben ist sind drei Stunden schnell vergangen.
Die Wirtin eher etwas Wortkarg meint nur das wenn ich Tags drauf nicht wieder erscheine würde sie die Bergwacht benachrichtigen. Eine gar nicht so schlechte Idee.



...auch Hippo mein Maskotchen muss unten bleiben und passt auf meine Sachen auf

So, nur mit Rucksack und dem Nötigsten für heute bewaffnet geht’s endlich los.
Start um Halb Zehn. Die ersten MTBler kommen von der Reintal Angererhütte runter für mich geht’s da hoch. Einem noch ganz gut zu befahrbarem Trail. Die Hütte wird immer noch mit einem Quad angefahren und verpflegt.
Ich fühle mich wie auf Wolke Sieben. He, das sind einmal fast 30 Kilo weniger unter den Füßen!
26kg Gepäck und 3kg Gepäckträger und Schutzbleche weniger.
So sieht das Bike auch wieder richtig sexy und wie ein echtes MTB aus
Die ersten Kilometer bis zur Angerer Hütte gehen dann auch recht zügig, ein paar Stellen an denen ich das Rad schieben muss aber he, das die Zugspitze kein Zuckerschlecken wird war mir klar.

An der Angerer Hütte oben im Reintal angekommen überquere ich das inzwischen zu einem verkommenem Bachtal noch einmal.


 



Gebetsfahnen über dem Reinbachtal an der Angerer Hütte

Yakyakyak, sind wir hier in Tibet ??? Durch ein Fahnenmehr von tibetanischen Gebetsfahnen die über die Partnach gespannt sind geht’s nun Bergauf.
Richtig Bergauf, so steinig und Felsen besäht daß das mit dem Biken eher schwierig ist.
Es wird zäh, meine Arme werden langsam lang vom Rad hochtagen. Ich versuche mich damit zu motivieren, die Spur zu sehen die es später runter geht. Aber ganz ehrlich ???
Ich sehe sie nicht. Egal, es geht Bergauf, alle paar hundert Meter mit einer Verschnaufpause und meine Arme werden immer schwerer. Inzwischen habe ich eine Technik entwickelt das ich den Sattel über der Schulter einhänge, das entlastet ein wenig.
Nach einer knappen Stunde über der Angerer Hütte die erste und letzte Bergsteigergruppe; drei Jungs und zwei Damen die mir entgegenkommen. Zeit für eine Kleine Verschnaufpause.
Eine echt nette Truppe die aber nicht so ganz glauben wollen was ich da vorhabe.
Meine Antwort wie ich es den zwei Jahre ohne Freundin machen würde führte zu lautem Gelächter, nur eine der stand etwas auf der Leitung, oder litt er schon an der Höhenkrankheit?
Tags drauf als ich sie morgens an meinem Zeltplatz traf, meinten sie, sie hätten jetzt jedenfalls einen neuen Spitznamen für ihre Gruppe.

 



Irgendwie im Nebel durchs Kar nach oben

Es folgt ein Kar zur Knorrhütte hoch, Zickzack über ein Steinmeer durch den Nebel.
Umgeben von einem Wolkenmeer und schwarzen und weißen Schafen.
Nachdem mir die Arme fast abfallen, probiere ich eine neue Technik: Ich schwinge das Rad so auf den Rücken das es auf meinem Rucksack hängen bleibt.
Mit diesem neuen Trick komme ich mir ein bisschen wie ein Sherpa vor.
Nach vornegebeugt, das Rad auf dem Rücken komme ich deutlich besser voran.


 



Schafe begleiten mich hoch zu Knorrhütte

Hurra – über mir wird die Knorrhütte sichtbar, mein erster Rastplatz. Draußen eine Gruppe Wanderer die schon gestern hochgekommen sind und sich einen Tag Ruhepause gönnen, um morgen eventuell die Zugspitze zu besteigen. Nur Kopfschütteln und eine Tüte Respekt die ich von ihnen bekomme sollte ich es heute noch da hoch schaffen. Und ja: sollte ich später je wieder hier an der Knorrhütte mit Gipfelfoto vorbeischneien, so würden sie mir ein Bier ausgegeben.

 



... mit dem Rad aufgeschultert als Sherpa Richtung Zugspitzplatt

Mit eine Apfelsaftschorle und zwei Bananen gestärkt, geht es jetzt weiter hoch auf das Zugspitzplatt.
Etwas weniger Steil einem Trampelpfad folgend, der sich manchmal in drei, vier Wege aufspaltet. Mitten durch den Nebel, hier bin ich richtig glücklich das Navi zu haben. Auch wenn ich nicht immer exakt auf dem Pfad bin so habe ich noch die Richtung in der Suppe. Und die Gewissheit mich später auch nicht im Nebel zu verlaufen – zumindest solange mein Navi hält.
Ganz gemächlich immer mal ein paar Meter rollend, schiebend und tragend nähere ich mich dem Zugspitzplatt.

Inzwischen schleppe ich mein Bike fast vier Stunden den Berg hoch und frage mich was ich eigentlich hier tue. Kann mich aber, obwohl ich doch manchmal nach Luft schnappen muß, immer wieder ganz gut motivieren.
He, was sind 2.000 Höhenmeter gegen die über 21.000 die Christoph damals in 24h runtergelassen hat. Naja, auch wenn der vergleich etwas hinkt ...
Ich sage mir, es ist ein erster Test für alles Kommende auf dem Weg nach Afrika. All das was ich alleine in diesem Monat tolles erlebt habe geht mir durch den Kopf, aber ich muss auch kämpfen.


 



Zugspitzplatt: es lichtet sich über mir der Gipfel und unter mir die Wolken gelassen

Und dann reißt es auf: Ich erreiche das Zugspitzplatt. Genau über mir die Bergstation, keine 300 Meter Luftlinie – aber über 200 Meter über mir, teilweise fast senkrecht.
Ein toller Blick und was ein Glück mit dem Wetter! Besser hätte ich es nicht treffen können.
Schon von hier aus ein gigantischer Blick nach unten. Rechts von mir eine Seilbahn die vom Platt hochfährt. Und dahinter tatsächlich etwas Schnee der von Kids zum Rodeln genutzt wird.
Die Wolkendecke unter mir lassend und frisch motiviert steige ich in den letzten Part, dem Steilstück und Klettersteig der Zugspitze ein.


 



Letztes Kar, 100% Steigung. Da geht's rein.

Das erste Stück wieder ein Kar, mit fast 100 Prozent Steigung. Hier ist Trittsicherheit gefragt. Mindestens doppelt so viele Schritte wie ich hoch komme.
Mit fast jedem Tritt rutsche ich wieder ein stück runter. Mit einigen Verschnaufpausen ist der Teil gemeistert.
Über Mir nur noch der Klettersteig. recht gut gesichert mit Drahtseilen entlang der Felsen.
Fast Narrensicher, ja, wenn man einen Klettergurt, Karabiner und zwei Hände zum kraxeln hat.
Meiner einer eher ein schräger Sherpa, mit der Idee im Kopf sein Bike bald da oben auf dem höchsten deutschen Berg zu stehen um ein Gipfelfoto mit Bike zu machen.


 



U-turn, Wahnsins Blick aus dem Kar nach unten! Das wird eine Downhill-Herausforderung für die Gabel
... über dem Kar beginnt der Klettersteig

Also geht’s rein in den Klettersteig, in der einen Hand das Rad, mit der anderen am Fels.
So im Zickzack immer mal die Seite wechselnd.
Meter für Meter – He, hätte mir einer verraten wie hart das wird ich hätte es mir dreimal überlegt. Inzwischen stehe ich mitten im Felsen. Aufgeben gibt’s nicht mehr.
Aus mir hätte bestimmt ein guter Sherpa werden können ;)


 



Nix für schwache Nerven, in einer Hand das Bike und mit der Anderen am Felsen
Fast geschafft! Oben auf dem Pass: links beginnt Österreich, rechts Schland
Yep, da geht's runter Richtung Red Bull Country ;)

Unsicher fühle ich mich überhaupt nicht, aber vielleicht verdränge ich auch nur meine Angst.
Es ist fast geschafft. Ich bin oben auf dem Grat – Zugspitze voraus.
Zur Linken geht es steil Richtung Österreich runter, zur Rechten nach Schland.
Zwei hundert Meter auf dem Grat und ich stehe vor einer steilen Treppe.

Hier tummeln sich auch schon die ersten Touris die sich immerhin hier herabgewagt haben und von hier ein paar Fotos im Schnee machen, von wegen 30 cm hehe, magere 3cm die man suchen muß.
Die Stufen hoch und ich bin da.




Yakyakyak Biki, Ich und das Gipfelkreuz

Yep I did it!
Die erwartet Tourimasse ist wohl schon wieder im Tal, nur eine Handvoll Menschen, aber die letzte Talfahrt geht auch schon in einer halben Stunde.
Aber Zeit für eine Verschnaufpause bleibt. Das obligatorische Gipfelfoto und rein in wärmere Klamotten.

Hey und dann kommt auch noch einer mit einer richtig schicken Kameraausrüstung, den haue ich an ob er nicht auch ein paar Gipfelfotos von mir macht. Mit dem Apparat kann man ja hoffentlich nur tolle Bilder machen. Mark schein auch einiges von seinem Beruf zu verstehen, er ist Reisejournalist mit dem Schwerpunkt Landschaftsfotographie. Na mal schauen ob er es mit mir auch als Modelfotograph was auf/ und bald in dem Kasten hat. Seine Lohnforderung ist ein Döner Kebab – da muss er sich aber noch einen Moment gedulden bis ich wieder in Deutschland bin um ihm den Wunsch zu erfüllen ;)
Ich bin ja gespannt ob aus den Fotos und dem Kontakt was wird ;)

 

Inzwischen ist es kurz nach vier. Zeit sich auf die Reise nach unten zu begeben.

 

 

Der Abstieg
Die Treppen wieder runter und ich stehe auf den Grat: soll ich’s wagen wirklich mit dem Bike hier rumzuturnen? Ein paar wenige Meter im Klettersteig sind „befahrbar“ ,wenn man das Risiko nicht scheut das es auf der einen Seite senkrecht abfällt. Die anderen 90% trage ich den Bock wieder runter.
Jetzt Bergab spüre ich immer noch die Anstrengung von vorher in den Beinen. Ich habe das wohl gefährlichste Stück fast hinter mir als ich abrutsche. Rad voraus und ich Kopfüber hinterher.
Dong das hat einen Schlag auf den Kopf gegeben. Fünf bis Sechs Meter weiter unten stoppt uns ein Felsen. Nur gut das ich einen Helm trage. Alles andere wäre aber mehr als fahrlässig.


 



Fünf Meter schneller unten als gewollt und der erste Kratzer an Biki und ein gebrochener Carbonflaschenhalter

Aua. Kurz innehalten und checken ob alles OK ist. Auf diesen Schock bleibe ich erst einmal ein paar Minuten liegen. Ha, da fühlt man sich gleich wieder wachgerüttelt. Mein Bike hat es noch einmal ein paar Meter weiter nach unten geschafft; aber genau wie ich ist es mit ein paar Kratzern davongekommen.
Es werden nicht die einzigen Kratzer in unserem Leben geblieben sein.
Einzig der Carbon-Flaschenhalter ist gebrochen und der selbstgebastelte Flaschenhalter für meine Brennstofflasche ist abgerissen.
Ganz vorsichtig klettere ich die letzten Meter ins Kar runter.
Jetzt wird’s lustig, mit komplett runtergelassenem Sattel, den Füßen auf dem Boden das Geröll runter.
Die Reifen versinken fast wie im Schnee bis zu 10cm tief. Eigentlich rolle ich weniger und rutsche mehr mit den Schuhen am Boden zum bremsen.  Ein kurzer Spaß und ich bin wieder auf dem Zugspitzplateau.

 



Das Kar auf den Schuhen runtergebremst. Kein Gummi hätte das ausgehalten ;)

Die Schuhe kurz ausgezogen um die Steinchen auszuschütteln. Ich stelle fest das bei der Bremsaktion sich die halbe Sohle gelöst hat.
Jetzt tauche ich wieder in den Nebel ein, runter bis zur Knorrhütte ist fast alles befahrbar. Ich lerne mein Bike ganz schnell neu kennen, so ein Terrain bin ich noch nicht oft gefahren. Unglaublich was die Gabel und die Reifen schlucken. Nur ganz technisch verblockte Steilstrecken trage ich runter. Kein zu großes Risiko, ich will ja heile unten ankommen.
Hier macht biken echt Laune. Das Gefühl von Freiheit und Abenteuer auf dem Bike. Mit gutem technischem Material und technischem Können zur Knorrhütte runter.
An der Knorrhütte angekommen gibt’s dort meine zweite Apfelsaftschorle. Immer noch für 3,50 Euro, ich finde das unglaublich günstig da das hier per Helikopter angeliefert wurde. Außer dem Wasser das fröhlich vor der Tür plätschert. Inzwischen ist hier ganz schön Betrieb, vor ein paar Stunden nur die drei Jungs die einmal auf die Zugspitze wollen und jetzt richtig Full House.
Da sind sie wieder die drei und wollen mir natürlich unbedingt das versprochene Bierchen ausgeben.
Ich lehne dankend ab, bis zur Bockhütte ist es noch ein ganzes Stück, und ich kenn’ meine Fahreigenschaften den Dünsberg runter wenn ich nur ein Hefe getrunken habe. Dazu noch die Höhenluft und meine konditionelle Verfassung – nein Danke, ein anderes mal.
Die Gruppe am Nachbartisch meint ich wäre ja völlig überdreht, was meinem Stimmungsbild ziemlich genau entspricht. Euphorisiert und Frohnatur wie ich bin, die Schmerzen vom Sturz fast vergessen geht’s das zweite Kar runter. Lange nicht so steil wie oben. Zick Zack runter. Nur das mit dem Umsetzten klappt nicht so ganz aber he, wie viele sind hier überhaupt je mit dem Bike runter?
Das zweite Teilstück über Felsen ist weniger gut befahrbar. Trotzdem, ich schaffe es weitaus besser einigermaßen kontrolliert runterzukommen, als was ich mir beim Aufstieg zugetraut hätte.
Viel schneller als erwartet bin ich an der Reintal Angerer Hütte.
Jetzt nur noch einen Trail neben dem Reintal runter. Der wird sogar von Quads befahren, die hier hoch sogar noch voll Beladen mit Lebensmittel zur Hüttenversorgung ankommen.
Mit 40-50 Sachen düse ich den Trail runter. Das ist was man Flow nennt. Fast alles nur noch runter zur Knorrhütte.
Nichts mehr was mich aufhalten kann. Ein paar Fullys an denen ich bergab vorbeischieße. Je mehr Schwung man hat umso besser kommt man über die Steine.
Und was soll ich diesen Carbonfahrern erzählen??? Das ich gerade von ganz oben runtergeschossen komme???
Neee, ich habe viel zu viel Spaß und bin in meinem Element Down the hill ;)
Die letzten Minuten von der Angerer zu Knorrhütte vergehen wie im Flug.
Wahrscheinlich fliege ich auch gerade oder lebe gerade in einem Schwebezustand.


 



Geschafft. Die Gänse begrüßen mich an der Bock Hütte

Bockhütte. Es ist geschafft.
Von 1000 Metern Höhe auf die fast 3000 Meter der Zugspitze.
Viertel vor Sieben und alles im Zeitplan: sechs Stunden Aufstieg und knapp zwei ein halb Downhill.
Hier gönne ich mir jetzt das verdiente Bierchen und eine Brotzeit. Die die sich hier tummeln sind fast nur einheimische Waldarbeiter, Bergbauern die gerade ihre Schafe wieder von den Bergen runtertreiben, und die Jungs mit den Quads die eben die Angerer Hütte sechs Kilometer weiter oben beliefern.
Hier bin ich nur noch Mr Kilimandscharo wie mich die Hüttenwirtin so liebevoll getauft hat.
Und ich soll doch bitte in zwei Jahren wieder vorbeikommen und von meiner Reise berichten.
Nach Einbruch der Dunkelheit beziehe ich hundert Meter weiter wieder mein Lager und schlage mein Zelt auf und schlafe richtig gut.


Bis es morgens anfängt zu regnen und es mal wieder in mein Zelt reintropft.
He, was ein glück wenn ich gestern das Wetter gehabt hätte; Nein, aus meiner Zugspitzenaktion wäre nichts geworden. Garantiert hätte ich mich zwar daran versucht aber im Regen da hoch mit meinem Material? Unmöglich!
Ich schlage das Zelt ab und unter einem Vordach schraube ich mein Bike wieder zusammen. Checke Bremsen, Lagerspiel, Schaltung, Kette und dann kommen auch die Gepäckträger wieder drauf.


 



Meine Basisstation 100m hinter der Bockhütte heute Morgen im Regen

Es ist Vormittag und einige Wanderer und Bergsteiger ziehen an mir vorbei, auch die Fünfergruppe vom Vortag, die nun ihren neuen Spitznahmen haben.
Stolz zeige ich mein Gipfelfoto. Was ein Abenteuer.
So, nur noch die Reifen gewechselt und alles eingetütet. Der Regen hat etwas nachgelassen. Ich verabschiede mich unten an der Hütte und rolle das Flußtal bis zu der Schlucht runter.
Oben wieder das Verbotsschild für Fahrräder, aber ich habe immer noch keine Lust da einen größeren Umweg in Kauf zunehmen. Zumal die Schlucht eine echte Attraktion ist ;)
Es ist Mittag und wer hätte es gedacht: trotz Nieselregen nochmal mehr Touries als zwei Tage nachts zuvor.


 



Pfad im der Höllental Klam. Ich, Biki und hunderte Touries an denen wir vorbei müssen
... aber sehenswert! Eine echte Attraktion

Dieses Mal sieht man richtig wie spannend und mit welchem Aufwand die hier einen Weg in den Fels reingeschlagen haben.
So presse ich mich an den hunderten von Menschen über zwei Kilometer vorbei. Unglaublich das alle freundlich bleiben obwohl ich mit dem vollbeladenem Rad ein echtes Hindernis bin.
Am Ausgang sehe ich die Leute schon Ticket vorzeigen. Welches Ticket??? Das was ich vor zwei Tagen schon nicht gelöst hatte weil der Kiosk schon geschlossen hatte?
Augen zu und durch. Ein „Hallo Sie“ kann mich da auch nicht aufhalten, da kann ja jeder gemeint sein ;-)
Ich habe keine Lust auf irgendwelche Diskussionen das man da nicht mit dem Bike durch darf und so, also bin ich schneller weg als die nur denken können.
10 Minuten später wieder am McDonalds in Garmisch vom vorvortag, wo ich von Jana wieder den Kaffee ausgegeben bekomme und ich meinen Laptop lade und eine Stunde kostenlos surfen kann.
Nur um der besorgten Familie zu sagen das alles gut gegangen ist und mich die Zugspitze heile wieder ausgespuckt hat.
Nachmittags das Tal zurück durch das ich auch nach Garmisch gekommen bin, und dann verlasse ich Deutschland Richtung Österreich. Abends klart sich’s auf, das Wetter bessert sich und neben mir jetzt ein fantastischer Sonnenuntergang.
Die Zugspitze im Abendrot.
Hier hinter einem Golfplatz am Fuße der Zugspitze zwischen zwei Holzstapeln errichte ich meinen Schlafplatz


 



Gut geschützter Platz am Fuße der Zugspitze
Da oben war ich! Am Morgen darauf scheint die Sonne wieder. Zugspitze Ade, Kili ich komme!
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